Die Idee kam, wie kann es auch anders sein, beim Laufen. Währenddessen hatte ich so über alles mögliche nachgedacht. Es ging mal wieder darum, dass hier in unserem Land so viel geklagt wird. Das Wetter ist schlecht, der Benzinpreis ist hoch, mein Nachbar hat eine häßliche Treppe, meine Arbeitskollegin hat „blöd“ zu mir gesagt, mein Freund hat mich verlassen, meine Kinder verstehen mich nicht, Frau Merkel macht alles falsch, die Globalisierung zerstört alles, die fiesen Manager verdienen viel zu viel Geld und gestern hat ein Unbekannter meine Rabatten zertreten.
Was sind das für Klagen? Gerne sagt man, wir klagen auf hohem Niveau. Aber was bitte ist das für eine Polemik? Was ist das für ein Satz, was für eine Rethorik, was für ein Stilmittel? Eigentlich ist es eine Frechheit. Ich klage auch, ja ich weiss! Aber wir können uns nicht beklagen. Schauen wir uns doch mal um. Milliarden von Menschen sind beschissener dran, als der allergrößte Teil der „Klagenden“ von uns dies jemals sein wird. Und die klagen oft nicht. Sie sind oft leise.
Uns geht es eigentlich gut. Uns geht es eigentlich sogar verdammt gut. Zumindest den meisten von uns. Natürlich haben wir auch hier im Lande Menschen, denen ein furchtbares Schicksal wiederfährt oder wiederfahren ist. Aber wie oben geschrieben: Die klagen meist nicht.
Es geht nicht nur den Menschen gut, es geht auch dem Land gut. Soweit so gut!
Dann haben wir immer noch das mangelnde kollektive Selbstbewußtsein. Nun hat uns zwar die Fußball-WM ein wenig geholfen und die Handball-WM hat dann einen schönen Abschluß herbei geführt, aber dennoch tun wir uns aufgrund unserer Vergangenheit schwer mit Aussagen zum Nationalbewußtsein. Ich bin sehr froh in Deutschland geboren und aufgewachsen zu sein. Das ist kein Privileg, das ist Zufall! Wir haben aber ein Problem damit unser Nationalbewusstsein zu zeigen. Wenn ein Deutscher oder eine Deutsche mit einem T-Shirt mit einer Englandfahne rumläuft, gilt das als cool. Hat er oder sie eine Deutschlandfahne auf dem Shirt gilt er oder sie als Nazi. Dieser Makel steckt tief in uns drin. Aber es ist auch deutlich, dass ein langsamer Wandel statt findet zu einem gesunden Nationalbewußtsein. Bevor sich hier nun irgendjemand Sorgen macht, über Texte aus der rechten Szene, dem sei gesagt: Er versteht nicht, was ich hier schreibe. Ich rede nicht über Politik und ich rede schon gar nicht über extreme rechte oder linke Ansichten. Aber ich schweife ab.
Also, uns geht es im Vergleich gut und warum sollen wir das nicht zeigen? Zeigen in einer Art und Weise, die gerne auch als „Gutmensch“ polemisch herabgewürdigt wird. Unser soziales, politisches und wirtschaftliches System hat Mechanismen, Regeln und Gesetze. Ob diese nun gut oder schlecht sind liegt ausserhalb dieser Betrachtung. Diese Mechanismen, Regeln und Gesetze können wir nutzen, um gemeinschaftlich etwas zu bewegen, zu zeigen, um zu zeigen: „Deutschland läuft gut!“
Wenn man solche (anders formulierte) Gedanken beim Laufen hat, dann verbindet man das natürlich gerne. In Deutschland alleine haben wir ca. 17 Mio. Läufer und Läuferinnen. Also warum nicht mit einer Aktion auf uns aufmerksam machen und damit oder dabei auch etwas Gutes tun? Sport verbindet. Sport ist überparteilich, interessiert sich nicht für die Hautfarbe und Nationaltität. Ich spreche hier vom Breiten- nicht vom Leistungssport. Sport kann nicht nur genutzt werden, um sich und seiner Gesundheit etwas gutes zu tun. Sport kann auch genutzt werden, um anderen etwas gutes zu tun.
Die Aktion Deutschland läuft gut ist die erste, von hoffentlich mehreren. Auch wenn hinter der Aktion neben Privatpersonen Unternehmen stehen, die sie ermöglichen, bleibt es natürlich eine Benefizaktion. Den Unternehmen sei das „Positivimage“ ebenso gegönnt wie den Privatpersonen.
Das Grobkonzept hinter der Aktion ist einfach:
Ausgehend von der Mitte Deutschlands (dem Herkules in Kassel) laufen Menschen nach dem Staffelprinzip in alle vier Himmelsrichtungen los, bis die Landesgrenzen erreicht sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob man 1, 5, 10 oder 20 Kilometer laufen, walken oder skaten oder radeln will. Es kann und sollte jeder dabei sein, der sich schlicht ein wenig bewegen will und der mit seiner Bewegung etwas bewegen will. Das ist die Idee. Neben einer Schirmherrschaft soll es für jede Himmelsrichtung einen Paten oder eine Patin geben und diese Himmelsrichtung ist an einem entsprechenden Thema ausgerichtet. Unternehmen „kaufen“ die Kilometer pro Teilnehmer und der Erlös wird ein oder mehreren wohltätigen Zwecken zugeführt.
Ich bin hier und heute gespannt, wohin sich die Idee entwickeln wird.
In den nächsten Wochen wird es die Möglichkeit geben, sich unter www.beweg-dich.de in einen Verteiler einzutragen. Damit bleibt man auf dem Laufenden.
September 26, 2007 um 8:32
[...] Deutschland läuft gut! [...]